Sunday, September 15, 2019

Sauberer Strom für alle

stern.de – 8.12.2007 – 12:43
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Beginn des Artikels

Jeremy Rifkin

“Sauberer Strom für alle”


© Katja Lenz/DDP

Strom ist der Stoff, der unsere Gesesllschaft am Leben hält. Doch er wird auch zu einem immer kostbareren Gut


Während sich bei der Weltklimakonferenz auf Bali Regierungsvertreter die Köpfe heiß reden, hat US-Ökonom Jeremy Rifkin schon eine Lösung zur Rettung des Weltklimas parat: Jeder Haushalt soll sein eigener Stromproduzent sein. Doch die Anfangskosten wären gewaltig.

stern.de: Mr. Rifkin, die Vertreter von 190 Ländern treffen sich derzeit auf Bali zum Weltklimagipfel. Was erwarten Sie?

Jeremy Rifkin: Nichts. Ich bin pessimistisch, dass dabei etwas herauskommt. Bali wird zu einem Ort für billige Ausreden.

Inwiefern?

Wir steuern auf eine Klima-Katastrophe zu; es gibt kaum jemanden, der daran zweifelt. Aber die Staaten drücken sich vor der Verantwortung. In Bali feilschen sie nun um Grenzwerte zur Reduzierung der Treibhausgase. Und jeder versteckt sich hinter dem anderen und pokert, dabei möglichst wenig Lasten tragen zu müssen. So wird der Kollaps nicht aufzuhalten sein. Wenn es auf Bali ganz schlecht läuft, dann rudern Länder wie Russland, die bislang zumindest die Ziele von Kyoto von vor zehn Jahren akzeptiert haben, nun wieder zurück und schlagen sich auf die Seite der Blockierer.

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Die Europäische Union propagiert, Vorreiter beim Klimaschutz zu sein. Spanien allerdings produziert von Jahr zu Jahr mehr CO2. Die Begründung: Nur so ließe sich die Wirtschaft anzukurbeln. Italien ist auch nicht viel besser. Wie will man von aufstrebenden Schwellenländern wie China und Indien mehr abverlangen, als die Industrienationen zu geben bereit sind?

Darin steckt tatsächlich ein großes Problem der Glaubwürdigkeit. Aber ich weiß aus Gesprächen mit dem spanischen Ministerpräsident José Luis Zapatero, dass in der Regierung nun ein Umdenken stattfindet. In der EU setzt sich generell die Einsicht durch, dass die Welt am Ende einer Industriephase steht, die auf Kohle, Gas und Erdöl basiert. Die Nachfrage nach fossilen Brennstoffen wird in den nächsten Jahren das Angebot weit übersteigen; bald werden Öl und Gas nicht mehr bezahlbar sein. Nun blicken wir auf den Sonnenuntergang einer Ära. Doch den meisten fehlt noch die Vorstellungskraft, wie der nächste Sonnenaufgang aussehen kann. Die Industrienationen müssen vorangehen und ihre Wirtschaft radikal auf umweltschonenden Energiequellen wie Sonne, Wind und Wasserstoff umstellen. Eine erneute industrielle Revolution ist nötig.

Sie haben der EU-Kommission eine Vision vorgestellt, nach der jeder Haushalt seine eigene Energie erzeugt. Wie soll das gehen?

Mir schwebt ein europaweites Energienetz vor, das nicht mehr zentral von wenigen Stromkonzernen gespeist und kontrolliert wird, sondern von den Nutzern. Das muss man sich so vorstellen: Jedes Haus versorgt sich selbst mit Energie und ist doch mit allen anderen vernetzt. Strom und Wärme werden durch die Nutzung von Biomasse, Solar oder durch Brennstoffzellen erzeugt. Wenn in einem Gebäude mehr Energie gewonnen als verbraucht wird, so wird sie gespeichert oder in das neuartige Stromnetz eingespeist. Wer zu wenig selbst produziert, bezieht den Strom von dort. So wie heute zehntausende Computer über ein Netzwerk mehr Leistung entwickeln als ein Großrechner, entstehen in meinem Energiemodell Millionen kleine Kraftwerke. Im Internet steuern heute die Nutzer doch auch einen Großteil der Inhalte bei. Warum soll das nicht mit der Energieverteilung möglich sein?

Zur Person

Der US-Ökomom und Professor Jeremy Rifkin ist Autor zahlreicher Bestseller, in denen er sich mit den künftigen wirtschaftlichen Herausforderungen befasst. Rifkin warnte schon früh vor dem drohenden Klimawandel. Er tritt für erneuerbare Energien ein, besonders für die breite Nutzung von Wasserstoff-Technik. Der 62-Jährige berät die Europäische Kommission und warb auch bereits bei Bundeskanzlerin Angela Merkel für seine Ideen.

Sie wollen die Stromkonzerne enteignen und ihnen die Netze nehmen.

Die Trennung von Netz und Stromerzeugung ist natürlich eine Grundvoraussetzung für ein alternatives Versorgungssystem. Aber das liegt ohnehin ganz im Sinne der Europäischen Union. Die Wettbewerbskommissarin hat die Abkoppelung der Netze schon vorgeschlagen. Das ist der erste Schritt. Eine solche Liberalisierung wird allerdings bislang noch von Frankreich und Deutschland blockiert.

Ihr Entwurf ist utopisch. Wie soll das funktionieren? Strom müsste sich beliebig speichern lassen. Wie wird die Industrie versorgt? Was ist mit dem Verkehr? Wissenschaftler, die sich mit Ihrem Konzept befasst haben, kritisieren: Selbst wenn das alles technisch möglich wäre – es wäre unbezahlbar.

Anfänge davon sind doch bereits realisiert. In einigen Städten fahren die Busse mit Brennstoffzellen. Der US-Staat Kalifornien treibt die gesamte Energiewirtschaft zum Wasserstoff. Technisch ist der Umstieg für alle Bereiche machbar.

Das sind Pilotprojekte …

… und was heißt schon unbezahlbar? Wenn die EU-Staaten die Fahrzeug-Flotten ihrer Behörden sowie den öffentlichen Nahverkehr auf Wasserstoff-Antrieb umstellen würden, kommen schnell Stückzahlen zusammen, bei denen sich die Investitionen für die Autokonzerne rechnen. Voraussetzung ist der politische Wille dazu. Aber ich gebe zu: Die Finanzierung von umweltfreundlichen Energien bleibt eine Herausforderung. Schätzungen zufolge würde der Aufbau eines neuen Stromnetzes für Europa über 30 Jahre gerechnet wohl 750 Milliarden Euro kosten. Das ist natürlich eine Menge Geld. Aber wir haben gar keine andere Wahl. Der Umwelt-Kollaps wird uns viel teurer zu stehen kommen.

Sie spielen mit den Ängsten der Menschen.

Wir sehen doch täglich im Fernsehen, was der Klimawandel anrichtet: Dürren und Brände, Hurricans und Flut; die Gletscher schmelzen ab. Politiker dürfen den Menschen keine billigen Lösungen mehr versprechen. Politik und Wirtschaft müssen gemeinsam einen Masterplan entwickeln, wie sie das nächste Industriezeitalter gestalten wollen. Für die Europäische Union kann das ein zentrales Projekt werden: Sauberer Strom für alle – “Power to the People”. Das leuchtet den Menschen ein, und dafür ist zumindest die jüngere Generation bereit Opfer zu bringen.

Das klingt nach Planwirtschaft aus Brüssel.

Nein. Aber große Umbrüche verlangen Kooperationen zwischen Staaten und Privatwirtschaft. Das war immer so. Wo stände die Autoindustrie, wenn es keine Highways gäbe?

In Deutschland hat der Klimaschutz die Diskussion um Kernkraft wiederbelebt. Warum spielt die in Ihrem Konzept keine Rolle?

Weil auch Kernenergie keine Lösung bietet. Der Bau von Kernkraftwerke kostet Milliarden; und die meisten der 408 weltweit bestehenden Meiler sind veraltet. Man bräuchte aber Tausende Kraftwerke, um die Stromversorgung sicher zu stellen. Wird man die bauen? Ich glaube nicht daran. Außerdem zeigt sich an Frankreich ein weiteres Problem: Rund 40 Prozent des Trinkwassers wird dort zur Kühlung von Atommeilern gebraucht. So viel Wasser steht in vielen Regionen gar nicht zur Verfügung. Und schließlich bleiben Sicherheitsbedenken: Wollen wir wirklich, dass alle Staaten mit Uran und Plutonium beliefert werden? Ich kann mir eine schönere Welt vorstellen.

Interview: Michael Reichmann und Johannes Röhrig

Artikel vom 08. Dezember 2007

FRENCH ENERGY MEMORANDUM

According to the information available on the Council web site, the ECOFIN (Economic and Financial Affairs) Council will discuss on the 24 January 2006 inter alia a range of issues related to energy markets as a follow up to be given to work at the last ECOFIN meeting of 6 December 2005 (when the ministers discussed prospects for prices and the appropriate policy response as regards both supply-side measures (dialogue with oil producing countries, investments) and demand-side measures (energy efficiency and reducing oil dependence) as well as functioning and transparency of oil markets).

According to the same source, the French finance minister has announced a contribution to the ongoing debate on Europe’s energy policy following ideas put forward by, among others, the UK at 27-28 October 2005 Hampton Court Summit, the Austrian presidency and members of the European Parliament. These contributions will be taken into account in the Green Paper on European Energy Policy that the Commission will present at the March 2006 European Council.

At the Hampton Court Summit, the Heads of State and Government, under the British Presidency, decided to have a common approach to energy, in the goal of creating a European Energy Policy and to try to establish a common European grid. Tony Blair confirmed that “there was quite a large discussion about nuclear power” with some Member States agreeing and other disagreeing about this issue.

The Hampton Court Summit debate was based on a Commission Communication of 20 October 2005, stating that the Commission intends to “spell out a long-term and coherent energy policy, a new policy approach which considers the issue as a whole, in terms of both use of energy and the security and diversity of supply, linking energy to other policies such as research, agriculture and the environment, for example, bio-energy” and the Commission put forward another Communication on 7 December 2005, an interim report on the follow-up to the Hampton Court Summit.

The current Austrian presidency of the Council intends to give a strong impetus to the Commission’s Biomass Action Plan, which was the main topic at the Agriculture Council of 23 January 2006. According to the Austrian Minister, which is the President of the Agriculture Council, additional investment in biomass would also give a significant boost to innovation in green technologies and secure Europe’s leadership in the world market in this sector. Renewable raw materials, should be used for space heating, electricity generation and as fuel…New nuclear power stations are not an alternative, we should opt for an intelligent, balanced energy mix in Europe rather than investing in mega power stations…Europe would be well advised to opt for a broad mix of sustainable, environmentally sound energy sources”.

The Austrian Chancellor, President in Office of the Council of the European Union, said when he presented the Program of the Austrian Presidency to the European Parliament that while Austria took a clear stance as leader in the use of alternative energy sources, they will respect the opinions and choices of other countries.

 

 

 

Against this background, the French finance minister tabled at the 24 January ECOFIN Council a contribution expressing France point of view on the ongoing debate on Europe’s energy policy. The main underlying ideas of the paper are that :

 

  • we should guarantee that the energy which is produced, imported and consumed for our economic and social development remains available to all, economically affordable at present and also in the future

  • we should progress towards a sustainable use of energy, meaning hat we should take into account the environmental impact and the exhaustion of fossil resources

  • we should start from promoting the energy efficiency in order to develop the use of renewable resources and other energy technologies with lower greenhouse gas emission

 

 

The 20 pages long French memorandum is divided in 6 parts,

the first part reminding the context and the issues at stake,

the second proposing some suggestions concerning the policies and the means to achieve them,

the third one tackles the energy-demand side and its different uses while

the fourth one deals with the energy offer which will allow the European Union and its Member States to better answer to the challenges we face

The fifth part, contains ideas for an increased effort in Research and Development in the field of energy coherent with the European Union sustainable development perspective cannot be conceived

The sixth part indicates new and ambitious actions at the international level intended to take into account the energy-climate relation

It is particularly interesting that we focus on the fourth part because, in dealing with energy offer, it tackles the following issues: carbon, oil, natural gas, nuclear energy and renewable energy.

The nuclear energy part argues that the nuclear is one of the issues which formed the basis of the European (European Community – EURATOM Community dating from 1957-our note) construction in the 1950s, even that presently Member States are divided concerning this issue. The nuclear energy currently allows us to produce 34% of Europe’s energy and thus to cater, in an autonomous and stable way, for the needs of a significant part of the European energy demand while allowing to avoid an increase in our greenhouse gas emissions. They claim that nuclear energy in Europe has already allowed reduction of a quantity of emissions equal to the emissions due to car traffic.

They feel compelled to underline in this respect the positive contribution of the nuclear energy to the European energy market, to the European Union objectives in the field of the security of supply, continuity in providing the service at competitive prices and to the fight against climate change as the European Commission recognizes when taking stock in the spring 2005 of the results of the Green Paper on the security of supply at European level. In this connection, keeping up the pace of the present contribution of nuclear energy to the European mix of energy sources and preserving the technological advance of European industry in this field represent strategic challenges for the European Union.

 

They suggest that the nuclear channel must also be controlled and its transparency increased. Besides, long-lasting solutions must be found to the problem of nuclear waste, especially by means of recycling and constructing final storage sites, following the example of Sweden and Finland. In this context, the EURATOM (European Atomic Energy) Treaty represents a general framework that should be reinforced.

Speaking about France, following the current public debate, a solution for the storage of radioactive waste will be chosen, and then a legislative project will go to the Parliament, which will vote before summer 2006. Finally, in order to complete the existing framework, an independent authority in charge of control, nuclear security, radioprotection and information will be in place in 2006 in the framework of the law on nuclear transparency.

While recalling the importance of the subsidiarity principle (European Community principle according to which the Community shall take action only if and in so far as the objectives of the proposed action cannot be sufficiently achieved by the Member States –our note) in this field, France proposes the following streams of action for the European Union:

 

  • To take into account, in the energy scenarios as well as in the scenarios concerning the energy technologies which do not generate greenhouse gas emissions, the contribution of the nuclear energy to the security of supply and to the fight against climate change;

  • To continue with the present work which is meant to assure, while respecting the subsidiarity principle, the highest levels of security, waste management and environmental and financial follow-up of long-term costs;

  • Increase the action started in the field of R&D in order to develop the nuclear energy of the future, in an international framework, with a focus on security and competitiveness of installations, the long-term sustainable use of resources and minimizing the waste;

  • Develop, according to the provisions of EURATOM Treaty, European-level teaching programs in the nuclear field, in order to maintain a recognized level of excellence of the R&D and nuclear energy and in order to favor a European culture of security and good practice.

 

In the renewable energy part, the document argues that renewable energies are an interesting opportunity in order to lower our greenhouse gas emissions, reduce our dependence on energy and given their the decentralized character renewable energy, are a possible answer the failures of the electric grids.

France, which is currently, the first renewable energy producer, in terms of volume, made a considerable progress during the last three years. Accordingly, in the same period of time, the energy generated by wind increased five times, the power generated by photovoltaic panels doubled as well as the solar.

With the 13 July 2005 Law, the French government intends to diversify even more the sources of energy, by increasing the part of renewable energies and improving its hydroelectric potential. In fact, thanks to the hydroelectricity but also to nuclear, French emission of greenhouse gas is today 40% less than the average percentage of developed countries. The French Energy Law establishes the following objectives for 2010, which respect and go beyond the thresholds established by European Directives (Laws):

 

  • to increase by 50% the heat production of renewable origin

  • to arrive with the biofuels at a 7% level of the national consumption

  • to produce 21% of its energy from renewable energies (developing especially the wind energy while respecting the landscape)

  • to install 200 000 solar water-heater and 50 000 photovoltaic heat (thermic) roofs per year.

Concerning the biofuels, France will encourage the fuels have an excellent environmental track record, especially in terms of greenhouse gas emissions, soil occupation, the degree of intensive exploitation, the use of pesticides and ratability, while duly taking into account the competitiveness and security of supply as foreseen in the European Directive 2003/30.

Regarding the biomass, France welcomes the new Commission Communication on the Biomass Action Plan end supports its main initiatives, especially the measure concerning the speedy adoption of a decision allowing the Member States to apply a reduced VAT for the biomass heat networks.

Nevertheless, in spite of the significant efforts at European level to promote and develop the renewable energy, they cannot substitute the other forms of energy, which we must preserve in order to compensate the fact that renewable energy is intermittent.

Taking into account the higher cost of renewable resources, Europe must increase its research efforts in order to improve the competitiveness of other sources of energy.

In the field of renewable energy, France suggests that the European Union should:

  • Consider the adoption of a Directive on thermal renewable resources which will complete the current European Directives on the production of electricity from renewable energy and biofuels;

  • Recommend to the member States, in the framework of European Community strategic orientations, to earmark a part of the Structural Funds to action which favor the development of renewable resources;

  • Encourage the substitution of fossil energy, starting with highly pollutant ones, like carbon, by renewable energy, especially in the residential sector.

 

 

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